Hospital at Home
Zurück zu Aktuelles

Spitex Zürich und Hospital at Home

Mitte Februar 2026 starten Spitex Zürich und die Hospital at Home AG mit ihrer Zusammenarbeit. Im Doppelinterview erklären Markus Reck, CEO von Spitex Zürich, und Abraham Licht, Gründer und Verwaltungsrat der Hospital at Home AG, warum ihr gemeinsames Angebot zukunftsweisend ist und der Zeitpunkt stimmt, wo Mehrwert entsteht und welche Herausforderungen bleiben.  

Ihre Organisationen seit Längerem miteinander im Gespräch. Was gab den Ausschlag, die Kooperation jetzt verbindlich einzugehen?  
Markus Reck: Man könnte es unter das Motto «Gut Ding will Weile haben» stellen. Für uns stand in den letzten drei Jahren im Vordergrund, die eigene Organisation zu stabilisieren. Nach der Fusion zu Spitex Zürich mussten Verantwortlichkeiten und Prozesse geklärt werden, damit die Verlässlichkeit für eine solche Partnerschaft gewährleistet ist. Parallel entwickelte sich auch das Modell der Hospital at Home AG weiter, sodass heute beide Organisationen auf Augenhöhe arbeiten können. Das war für uns eine wichtige Voraussetzung für eine Zusammenarbeit.  

Abraham Licht: Gleichzeitig haben wir unser Modell in den letzten Jahren geschärft. Wir starteten mit kleineren Spitex-Organisationen und sammelten wichtige Erfahrungen. Heute wissen wir, welche Abläufe tragen, wo Stolpersteine liegen und was wir vermeiden müssen. Diese Reife auf beiden Seiten ebnete den Weg.    

Welche Kompetenzen bringen die beiden Organisationen ein und wo entsteht ein neuer Mehrwert?  
Markus Reck: Spitex Zürich bringt umfassende Erfahrung und Kompetenz in der Pflege zu Hause ein. Das ist unsere Kernaufgabe. Unsere Mitarbeitenden wissen, wie die Versorgung im privaten Umfeld der Kundinnen und Kunden zu leisten ist, binden Angehörige ein und können mit unterschiedlichen Wohn- und Lebenssituationen umgehen. Pflege zu Hause unterscheidet sich grundlegend von Pflege im Spital. Dank unserer Grösse verfügen wir zudem über ausreichend qualifiziertes Personal – auch und gerade für komplexe Einsätze.   

Abraham Licht: Für uns war klar, dass Spitex Zürich der richtige Partner für die Pflege und Betreuung zu Hause ist. Pflege im häuslichen Umfeld erfordert spezifische Kompetenzen. Unsere Stärke liegt in der spitaläquivalenten Medizin zu Hause. Wir wissen, wie Prozesse aussehen müssen, damit die Versorgung ausserhalb des Spitals sicher bleibt. Dazu gehören klare Abläufe, eine Erreichbarkeit rund um die Uhr und ein stabiles Sicherheitsnetz. Die Verbindung aus medizinischer Steuerung und erfahrener Pflege durch die Spitex bildet den Kern des Modells.    

Was bedeutet diese Zusammenarbeit konkret für Patientinnen und Patienten in der Stadt Zürich?  
Abraham Licht: Ein Teil der Menschen, die bisher eine stationäre Behandlung im Spital benötigen, erhalten nun diese Therapie zu Hause. Zahlreiche Krankheitsbilder eignen sich hierzu und sind klar definiert. Dabei handelt es sich keineswegs um einfache medizinische Fälle. Unsere Patientinnen und Patienten sind zwischen 60 und über 100 Jahre alt. Viele benötigen Sauerstoff oder eine intravenöse Therapie. Die Vorteile einer Behandlung zu Hause sind, dass Orientierung, Alltagsroutinen und Selbstständigkeit erhalten bleiben. Das senkt das Risiko für ein Delir deutlich. Auch der Bedarf an Schlaf- oder Schmerzmitteln sinkt.  

Markus Reck: Hinzu kommt die durchgängige Behandlung und koordiniert organisierte Betreuung. Ambulante und stationäre Leistungen greifen ineinander und entlasten Patientinnen und Patienten und deren Angehörige. Wir definieren die Abläufe gemeinsam, damit Übergänge kaum spürbar sind.     

Blicken wir nach vorn. Wo liegen die grössten Chancen und die grössten Herausforderungen?  
Markus Reck: Unsere Zusammenarbeit setzt die Idee «ambulant vor stationär» um. Die Chancen liegen in der Integration und Koordination der Leistungserbringer und in gut organisierten, aufeinander abgestimmten und damit effizienteren Abläufen. Eine bessere digitale Vernetzung, Telemedizin und einfacherer Austausch von Informationen und entsprechender Kommunikation können die Versorgung weiter verbessern. Die grösste Herausforderung bleibt die Finanzierung. Das Modell bewegt sich zwischen stationär und ambulant. Die Finanzierungssysteme bilden das bisher nicht ab. Hier braucht es Bewegung und Entscheidungswillen. 

Abraham Licht: Wir investieren gezielt, um den Nutzen zu belegen. Derzeit läuft eine Vergleichsstudie mit hundert Patientinnen und Patienten. Wir messen Qualität, Kosten und Zufriedenheit systematisch. Die Rückmeldungen fallen positiv aus. Trotzdem braucht es Überzeugungsarbeit bei Krankenkassen, Politik und Öffentlichkeit.     

Woran messen Sie in drei Jahren den Erfolg der Kooperation?  
Abraham Licht: Ein Erfolg liegt vor, wenn das Angebot etabliert ist und niemand es infrage stellt. Patientinnen und Patienten, Angehörige und die Bevölkerung sollen sagen: Das Angebot ist sinnvoll, sicher und verursacht keine Mehrkosten. Dann folgt auch eine passende Finanzierung.  

Markus Reck: Dazu zählen klare Qualitätskennzahlen wie tiefe Re-Hospitalisationen (Drehtür-Effekt) und steigende Fallzahlen. Gleichzeitig soll das Angebot als fester Bestandteil der Gesundheitsversorgung gelten. Nicht als Experiment, sondern als effiziente Ergänzung. Ebenfalls entscheidend ist die Attraktivität der Aufgaben für die Mitarbeitenden, denn das ist angesichts des Fachkräftemangels ein wichtiger Faktor. Wir bringen mit dieser zukunftsweisenden Zusammenarbeit Pflege und Medizin näher zueinander und zu den Menschen.